DIALOG AUF AUGENHÖHE:
ZWEI STÜHLE, AUS EINEM HOLZ ENTSTANDEN
ZUM RENDEZ-VOUS MIT DER GESCHICHTE IN WEIMAR
8. - 12. NOV 2017
DANIEL GAEDE


Ein rechteckiges Holzbrett, glattgeschliffen, Nadelholz von einem Baum, der in Europa CO2 in Sauerstoff verwandelte, bevor er im Alter von gut 30 Jahren gefällt wurde, mit scheinbar ganz gleichmäßig gewachsenen Jahresringen, dunklen Ansätzen von Ästen, die das Regelmäßige der Ringe durcheinanderbringen, aber dem Baum erst die Verzweigungen ermöglichten, mit am Ende unzählbar vielen Nadeln in beruhigendem Grün – über Bäume gäbe es noch viel zu sagen. Hier geht es erst einmal nur darum, ein paar Gedanken über das Woher und Wohin dieses Brettes anzuregen.
Es ist nicht nur glatt, es ist zersägt, wie von einem Blitz durchzogen, tatsächlich jedoch aus einem zwei Meter langen Brett entstanden, präzise in Stücke zerteilt mit einer Kreissäge. Dann mit einem maschinell geführten Sägeblatt von zwei Seiten bis zur Mitte diagonal eingeschnitten und schließlich in der Mitte, mit dem feinen Blatt einer Laubsäge, endgültig getrennt. Die vorgegebene Linie ist noch zu erkennen, doch sie wird kaum befolgt, eher umspielt; so wie auch Menschenleben nicht einfach gerade verlaufen: Es gibt Kurven, Sackgassen und Verfehlungen, wenn sich etwa die Linien zweier Menschen nicht wie erhofft finden.

Die zwei Teile haben fast identisch die Form von Stühlen, die weit voneinander stehen können, mit den Rücken zueinander oder der eine oben, der andere unten; sie können bewegt, umgeworfen, umgestellt und als Einladung für Gespräche genutzt werden. Doch die Sitzflächen sind uneben, Anlehnen fällt schwer ohne Kissen und richtig frei baumeln (was hat das eigentlich mit Bäumen zu tun?) können die Beine nicht: Eben kein weiches Sofa, sondern Stühle für besondere Anlässe: Für notwendige Dialoge über schwierige Themen, die auf Augenhöhe behandelt werden sollten.
So jedenfalls steht seit dem Jahr 2000, von der UNESCO gestiftet, das große steinerne Vorbild am Beethovenplatz in Weimar, in Erinnerung an den Austausch von Johann Wolfgang von Goethe mit dem persischen Dichter Hafis aus Schiras über das Wissen, die Gefühle und die Religionen, die Menschen aus dem Orient in den Okzident und andere Weltteile verbreitet haben: „Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen“, schrieb Goethe vor ziemlich genau 200 Jahren im „West-östlichen Diwan“ - und heute umgibt diese Verwobenheit menschlicher Existenz den ganzen Planeten, voller Hoffnungen und Schrecken. Darüber ist zu sprechen, mit Blick zurück und Blick nach vorn, mit allem Verstand und aller Phantasie, mit ganzem Herzen, offenen Ohren und weitem Blick für alle, besonders für jene, mit denen wir eigentlich nicht reden wollen, aber doch müssen, um unter anderem die „Kultur des Schweigens“ (Paulo Freire) zu überwinden und ein gutes gemeinsames Leben zu gestalten – wie es auch das „East-Western Divan Orchestra“ ermöglicht, in Weimar gegründet von Daniel Barenboim und Edward Said, mit Musikerinnen und Musikern aus dem Nahen Osten.

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